Die Wahrheit wird euch freimachen

Vor einigen Jahren schrieb ein junger Mann aus Nordindien, der behauptete, dass es keinen Gott gäbe, seine Abschlussarbeit zum Thema „Atheismus.“ Im Zuge dessen machte er sich auf den Weg nach Mumbai, um die Wahrheit herauszufinden. Sein Weg führte ihn ins ‘Shanti-Daan’, eine Gründung von Mutter Theresa für die Betreuung der Ärmsten, die im Sterben lagen, in Borivli, Mumbai. Ich selbst war dort zu jener Zeit als Sozialarbeiterin tätig.

Als Tarun Das (Name von der Red. geändert) das Büro betrat, starrte er mich mit stechendem Blick an; sein ganzes Gesicht bekundete seine Teilnahmslosigkeit und Abgestumpftheit. Er presste sich ein dürftiges „Guten Morgen“ ab. Ich nickte ihm zu und bot ihm einen Sitzplatz an. Er fragte mich, ob er einen Rundgang durch die Stationen machen dürfe und so führte ich ihn von Station zu Station im Shanti-Daan. Als wir auf die Kinderstation kamen, wurde sein Herz von starken Gefühlen ergriffen. Das wusste ich deshalb, weil Tränen in seinen Augen aufstiegen und er versuchte, die Fassung zu bewahren; er klammerte sich an seinem Aktenkoffer fest. Er fragte mich „Wie oft kommen Sie hierher?“„Fast täglich,“ antwortete ich. Seine nächste Frage überraschte mich „Das dachte ich mir – aber warum?“ Die Antwort, die mir als nächstes über die Lippen kam, überraschte mich ebenfalls: „Weil ich an einen lebendigen Gott mit Namen Jesus glaube.“ Er runzelte die Stirn und blickte mich finster an, dann kehrten wir ins Büro zurück. Dort angekommen erzählte er mir, dass er ein Atheist war und kurz vor Fertigstellung seiner Abschlussarbeit über den Atheismus. Er fragte mich nach meiner Adresse und sagte „Ich würde Ihnen gern eine Abschrift meiner Abschlussarbeit zukommen lassen – ich bin sicher, dies wird Ihr Leben verändern.“ Ich lächelte ihn an und sagte „Ich werde Ihr Buch lesen – vorausgesetzt, Sie hören sich an, was ich Ihnen zu sagen habe.“

Am gleichen Nachmittag gingen Tarun und ich gemeinsam Mittag essen und ich sprach zu ihm über den lebendigen Gott, den ich erfahren durfte. Ich schloss mit den Worten “Wenn Sie wirklich auf der Suche nach der Wahrheit sind – auch wenn Sie das jetzt schmerzt: Beten Sie zu Gott, dass er Ihnen die Wahrheit offenbaren möge, bevor Sie den Fehler begehen, andere Seelen durch Ihre Abschlussarbeit in die Irre zu führen.“ Und ich sprach zu ihm über Jesus – über den Jesus, der der Sohn Gottes ist! Über den Jesus, dessen Geburt und Tod zu einem Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit wurde. Ob die Menschheit an Jesus Christus glaubt oder nicht, die Zeiten und die Geschichte wurden in „vor Christus“ und „nach Christus“ geteilt. Jesus Christus selbst hat kein einziges Buch geschrieben, aber die Bibliotheken auf der ganzen Welt sind heute voll mit Büchern über ihn. Jesus war weder Maler noch Künstler, und doch haben die namhaftesten Künstler wie Leonardo da Vinci, Raphael oder Michelangelo begeistert berühmte Kunstwerke von Jesus angefertigt.

Jesus besuchte keinerlei Schule oder Universität und doch wurde er berühmt wegen seiner großen Weisheit und Erkenntnis, die er von Kindestagen an hatte. Er hat keine Schulen, Lehrhäuser oder Universitäten gegründet und doch kann sich keine Lehreinrichtung rühmen, mehr Schüler und Jünger als Jesus zu haben. Er beruhigte das stürmische Meer und ging über das Wasser – allen Naturgesetzen zum Trotz. Wo auch immer er war, lehrte er und die Menschen hörten ihm zu. Er war kein Arzt, aber er heilte alle Kranken. Er war kein Psychiater, aber er heilte alle zerbrochenen Herzen. Dämonen erzitterten vor Seinem Namen. Jesus heilte körperlich, seelisch und geistig Erkrankte und ließ sich dafür nicht bezahlen. Er war kein Politiker, und doch kennt die Welt keinen anderen Führer, der so viele Nachfolger hat wie er! Stolze Herrscher und Könige kamen und gingen, allein der Name Jesus Christus lebt weiter! Er lebte vor 2000 Jahren – und er lebt noch immer, heute und auf ewig. Er thront im Himmel und in den Herzen all seiner Jünger, die ihn zwar nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen haben, die aber wissen, dass er in ihren Herzen lebt.
Am gleichen Abend fuhr Tarun nach Kalkutta. Ich hatte ihn schwer beunruhigt, aber ich wusste, dass er wirklich nach der Wahrheit suchte, denn bei der Verabschiedung überraschte er mich mit der Bitte „Mrs. Mehta, bitte beten Sie für mich!“. Ich betete dann etwa eine Woche lang für ihn, danach vergaß ich ihn. Ich wunderte mich, wie die Menschen bereit sind, ohne ihren Schöpfer zu leben.

Der Mensch ohne Gott war ein einigermaßen neues Phänomen in der Geschichte der Menschheit. Es gab in der Geschichte immer sonderbare Götter, angsteinflößende Götter, grausame Götter, ja auch unbekannte Götter. Aber zu keiner Zeit hat die Menschheit so systematische und gründliche Versuche unternommen, Gott los zu werden. Aber gottlose Menschen sind entwurzelte Menschen, voller Ängste, Unsicherheiten, voller Zorn – und doch so wehrlos – wie ein armes Kind ohne Eltern. So wie der heilige Augustinus sagte „Denn du hast uns auf dich hin geschaffen. Unruhig ist unser Herz bis es ruht in dir!“

Es gibt einen Bedarf, eine Notwendigkeit, den Schöpfer zu suchen und in Mt 7,7-11 finden wir eine Verheißung für alle, die suchen: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.

Zwei Jahre später, als ich gerade anlässlich von Exerzitien in einer Pfarre auf ein Seelsorgegespräch wartete, tippte mir ein junger Mann auf die Schulter, ich blickte zurück und sah ihn, wie er mich anlächelte in der Hoffnung, dass ich ihn wiedererkennen würde. „Sind Sie nicht Mrs. Mehta?“ Ich konnte sein junges und strahlendes Gesicht nicht zuordnen. Er hielt mir die Hand zum Gruß entgegen „Ich bin Tarun, ich war der Atheist. Sie haben die Flamme des Glaubens in meinem Leben entzündet. Es war der Plan Gottes, dass ich Ihnen begegnet bin – herzlichen Dank auch für Ihre Gebete! Ich bin jetzt Katholik, Preis sei dem Herrn dafür!“

Ich fragte ihn „Was ist denn aus Ihrer Abschlussarbeit geworden und dem Buch, das Sie veröffentlichen wollten?“ Er antwortete mit einem Lächeln und ich sah die Freude und die Euphorie in seinem Gesicht. „Ja, sehen Sie denn nicht, dass ich eine Antwort gefunden habe auf all meine Verwirrung? Ich habe die Wahrheit gefunden! Und die Wahrheit ist Jesus Christus!“

Und er erzählte, was passiert war. Er war dabei seine Arbeit über den Atheismus abzuschließen und ging noch ein letztes Mal sein Manuskript durch und fühlte währenddessen eine schreckliche innere Leere, plötzlich erschien ihm seine Arbeit als Unsinn, völlig gefühllos. Ein Gefühl von Nichtigkeit und Verdruss überkam ihn. Er nahm das Manuskript in die Hände und rief aus „Oh Gott, ich ergebe mich!“ Kaum hatte dieser Aufschrei seine Lippen verlassen, begann er sich zu wundern, wie er gerade eben zu Gott hatte rufen können.

Irgendetwas in seinem Herzen ließ sich nicht von seinem Geschreibsel überzeugen. Es gab da einen Kampf zwischen seinem Herzen und seinem Verstand. Plötzlich fiel ihm ein, dass sein Lehrer einmal erwähnt hat, dass Gott im Tempel unseres Herzens wohnt. Dieser Gedanke an Gott begann ihn zu erfüllen und ein unbeschreiblicher Friede und Glück zog in seinem Herzen ein. An jenem Abend ging er hinunter zum Strand. Das erste Mal konnte er sich am Anblick der Natur erfreuen. Und er erlebte den Sonnenuntergang als eine Dankesbezeugung der Sonne gegenüber ihrem Schöpfer. Er blickte hinaus in die Tiefen des wunderschönen Horizonts, sah die schäumenden Meereswellen, hörte das Singen der Vögel – und er hatte das Gefühl, dass die gesamte Schöpfung Gott verherrlichte. Er schloss seine Augen, um sich zu sättigen an dem Gefühl der Freude, das ihn überwältigte. Als er das nächste Mal die Augen öffnete, stand ein Regenbogen am Himmel, welcher ihn an den Bund erinnerte, den Gott mit den Menschen schloss.

An jenem Abend fand aber noch ein weiteres Wunder statt. Er traf „zufällig“ einen alten Freund aus Kindertagen wieder. Dieser war ein Hindu – wie er auch. Und dieser Freund hatte eine persönliche Begegnung mit Jesus in einer Vision gehabt. Tarun schloss seine Erzählung mit den Worten „von da an hat mein Leben eine 180 Grad-Wende erfahren. Gepriesen sei der Herr!“
Dies ist die Geschichte eines jungen Mannes aus Indien – aber diese Geschichte spricht Bände. Noch immer gibt es Hunderte und Tausende, die auf der Suche nach Gott sind–auf der Suche nach der Wahrheit. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien. (Joh. 8,32)

Pamela Metha, Mumbai

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